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20. August 2026 ― Lesezeit: 5 Minuten

Akupunktur: Wirkung, Anwendungsgebiete & Akupunkturpunkte

Ob in Europa, Amerika oder Australien – die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und ihre zentralen Konzepte finden auch weit über ihren Ursprungsraum hinaus zunehmend Anklang. Während manche mit Qigong oder Tai-Chi Körper und Geist stärken, orientieren sich andere an den Prinzipien der TCM-Ernährung und wählen ihre Lebensmittel nach deren thermischer Wirkung und Geschmacksrichtung aus, um das innere Gleichgewicht zu fördern. Eine weitere Säule der TCM ist Akupunktur. Im Fokus dieser alternativen Behandlungsmethode stehen feine Nadeln, die in die Haut eindringen. Was zunächst skurril klingen mag, soll jedoch gegen viele Beschwerden helfen. Aber wie funktioniert und wirkt Akupunktur genau? Für welche Symptome eignet sich die Methode und wie läuft eine Behandlung ab? Die GRAWE hat alle Antworten parat.
akupunktu

Was ist Akupunktur?  

Die Akupunktur wurde bereits vor mehr als 2.000 Jahren entwickelt und zählt – neben Phytotherapie, Ernährungslehre, Tuina-Massage und Bewegungsübungen wie Qigong oder Tai-Chi – zu den fünf klassischen Säulen der TCM. Diese betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Umwelt. Im Mittelpunkt steht die Lebensenergie „Qi“, die nach traditioneller Vorstellung den Körper durchströmt und deren harmonischer Fluss als Voraussetzung für Gesundheit gilt. Ebenso spielt das Zusammenspiel der beiden komplementären Prinzipien Yin und Yang eine zentrale Rolle. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance oder wird der Fluss des Qi gestört, können Beschwerden und Krankheiten entstehen.

Das Qi sammelt sich nicht etwa in einem bestimmten Bereich des Körpers, sondern es durchströmt ihn in Leitbahnen, den sogenannten Meridianen. Und diese weisen bestimmte neuralgische Punkte auf. Genau diese Stellen, die Akupunkturpunkte, sind es, die mit feinen, etwa 0,2–0,4 mm dicken Nadeln bearbeitet werden. Durch den speziellen Schliff ist der Einstich schmerzarm bis schmerzfrei. Ziel ist es damit, den Qi-Fluss zu beschleunigen oder zu verlangsamen, um – je nach Bedarf – verschiedene Beschwerden zu lindern. Und fließt schließlich wieder alles im richtigen Tempo, kann der Körper auf vielen Ebenen davon profitieren. 

Was kann Akupunktur?

Akupunktur wird zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt und soll nach den Vorstellungen der TCM den Fluss der Lebensenergie Qi harmonisieren. Aus wissenschaftlicher Sicht werden unter anderem Effekte auf das Nervensystem sowie die Ausschüttung körpereigener schmerzlindernder Botenstoffe diskutiert. Die Behandlung ist grundsätzlich in jedem Lebensalter möglich. Anzahl der Nadeln, Einstichtiefe und Verweildauer werden individuell an Alter, Beschwerden und Empfindlichkeit angepasst. Bei Kindern oder Menschen mit ausgeprägter Angst vor Nadeln kann alternativ eine schonende Laserakupunktur angewendet werden.  

Akupunktur kann: 

  • Schmerzen lindern 
  • Heilung unterstützen 
  • Durchblutung fördern 
  • Muskelspannung regulieren 
  • Immunsystem stärken 
  • Hormonkreisläufe verbessern 
  • Nervensystem koordinieren 
  • Psyche kräftigen 

Wie funktioniert und wirkt Akupunktur? 

Ein Körper, mehrere Nadeln – die Grundidee der Akupunktur ist schnell erklärt. Doch was passiert dabei eigentlich genau unter der Haut? Die Wirkungsweise der Akupunktur ist bis heute nicht vollständig wissenschaftlich geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Erklärungsansätze, die ihre schmerzlindernden und regulierenden Effekte beschreiben. Dazu gehören unter anderem:

  • Schmerzlinderung durch körpereigene Botenstoffe: Das Setzen der Nadeln stimuliert Nervenfasern und kann die Ausschüttung körpereigener schmerzlindernder Botenstoffe wie Endorphine fördern. Gleichzeitig werden Mechanismen der Schmerzverarbeitung im Gehirn und Rückenmark aktiviert, wodurch Schmerzen als weniger intensiv wahrgenommen werden können.
  • Entspannung von Muskeln und Gewebe: Durch die gezielte Stimulation bestimmter Akupunkturpunkte können Reflexmechanismen ausgelöst werden, die unter anderem die Durchblutung fördern, Muskelverspannungen lösen und die Beweglichkeit des Gewebes verbessern.

Da die Haut über das Nervensystem eng mit Gehirn und Rückenmark verbunden ist, können die gesetzten Reize dabei über den Einstichort hinaus wirken und verschiedene Körperfunktionen beeinflussen. Welche Mechanismen dabei im Einzelnen eine Rolle spielen und in welchem Ausmaß Akupunktur bei unterschiedlichen Beschwerden wirksam ist, ist Gegenstand der aktuellen Forschung.

Bei welchen Beschwerden hilft Akupunktur?

Akupunktur wird bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt – insbesondere zur Behandlung von Schmerzen. Für einige Beschwerden – insbesondere bestimmte chronische Schmerzsyndrome – ist ihre Wirksamkeit wissenschaftlich gut untersucht, während die Evidenz für andere Anwendungsgebiete begrenzt oder uneinheitlich ist. Zudem reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf die Behandlung. Daher gilt: Akupunktur kann eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Therapien sein, ist jedoch nicht für jede Erkrankung gleichermaßen geeignet oder wissenschaftlich belegt. 

Bei folgenden Beschwerden kann Akupunktur unterstützen: 

Wie läuft eine Akupunktur-Behandlung ab? 

Je nach Beschwerden, Anwendungsgebiet und individueller Vorgeschichte kann eine Akupunktur-Behandlung unterschiedlich ablaufen. In der Regel umfasst sie jedoch folgende Schritte:

  • Anamnese: Zu Beginn werden die Krankengeschichte und die aktuellen Beschwerden ausführlich besprochen. Je nach Fragestellung erfolgt außerdem eine körperliche Untersuchung. So lässt sich beurteilen, ob Akupunktur für die jeweilige Person geeignet ist und welche Akupunkturpunkte behandelt werden. Da Akupunktur meist nicht als einmalige Maßnahme eingesetzt wird, sind häufig mehrere Sitzungen im Abstand von einigen Tagen oder Wochen vorgesehen.
  • Vorbereitung: Für die Behandlung nehmen Sie – je nach zu behandelnder Körperregion – bequem im Liegen oder Sitzen Platz. Eine entspannte Körperhaltung erleichtert das Setzen der Nadeln. Die Akupunkturpunkte können sich unter anderem an Armen und Händen, Beinen und Füßen, am Rücken, am Ohr oder im Gesichtsbereich befinden.
  • Behandlung: Anschließend setzt die behandelnde Fachperson mehrere feine, sterile Einmalnadeln an den ausgewählten Akupunkturpunkten. Wie viele Nadeln verwendet werden, hängt von den Beschwerden und dem Behandlungskonzept ab; häufig sind es etwa 10 bis 20. Während des Einstichs oder kurz danach können ein leichtes Kribbeln, ein dumpfes Druckgefühl, Wärme, Kälte oder ein Gefühl von Schwere auftreten. Diese Empfindungen gelten als typische Reaktionen auf die Behandlung, treten jedoch nicht bei allen Menschen gleichermaßen auf. Die Nadeln verbleiben in der Regel etwa 20 bis 30 Minuten im Körper, bevor sie wieder entfernt werden.

Wie schnell wirkt Akupunktur?

Wie schnell Akupunktur wirkt bzw. ob sich tatsächlich eine Wirkung zeigt, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt von etlichen Faktoren ab. Dazu zählen in erster Linie das Anwendungsgebiet sowie die körperliche Verfassung des Patienten.

Grundsätzlich gilt: Sollen damit akute Schmerzen oder Stress gelindert werden, stellt sich mit Akupunktur oft bereits binnen weniger Minuten ein positiver Effekt ein. Bei chronischen Schmerzen sowie komplexen Krankheitsbildern braucht es hingegen in der Regel mehrere Sitzungen

Welche Nebenwirkungen können mit Akupunktur verbunden sein?

Akupunktur-Nebenwirkungen sind im Allgemeinen eher selten und allenfalls leicht und vorübergehend. So berichteten manche Personen von subtilen Kreislaufproblemen während der Behandlung. Auch sind Rötungen, leichte Blutungen oder dezente Blutergüsse an der Einstichstelle möglich. 

Wer trägt die Kosten einer Akupunktur-Behandlung?

In Österreich kann die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) unter bestimmten Voraussetzungen einen Kostenzuschuss für Akupunktur leisten. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Behandlung ärztlich durchgeführt wird, anerkannte Kriterien erfüllt und eine entsprechende medizinische Indikation vorliegt. Eine vollständige Kostenübernahme ist jedoch nicht in jedem Fall gegeben, weshalb Patienten die individuellen Voraussetzungen vorab klären sollten.

Eine private Krankenversicherung kann darüber hinaus – abhängig vom gewählten Tarif – zusätzliche Leistungen für Akupunktur und andere alternative Behandlungsmethoden abdecken. So bietet beispielsweise die GRAWE MyMED je nach Tarif Leistungen im Bereich alternativer Behandlungsmethoden sowie weitere Vorteile wie freie Arztwahl und verkürzte Wartezeiten.

 

Fazit: Wenn Körper und Geist wieder ins Gleichgewicht kommen  

Die Traditionelle Chinesische Medizin erfreut sich weltweit wachsender Beliebtheit. Akupunktur gehört dabei zu den bekanntesten Methoden und wird von vielen Menschen als wohltuende Ergänzung genutzt. Entscheidend ist, offen und informiert an die Behandlung heranzugehen: Nicht jede Wirkung ist wissenschaftlich erklärt, doch für einige Beschwerden gibt es überzeugende Hinweise auf einen Nutzen. Am Ende steht stets eine zentrale Idee der TCM: das Streben nach Harmonie und Balance im Zusammenspiel von Körper und Geist
 

 

Häufig gestellte Fragen zum Thema Akupunktur:

Wie oft darf man Akupunktur machen?

Es gibt keine festen Regeln, wie oft eine Akupunktur-Behandlung in Anspruch genommen werden kann. In der Regel gibt der Mediziner eine Empfehlung ab. Oft finden in den ersten Wochen häufiger Sitzungen statt, bessern sich schließlich die Beschwerden, kann die Frequenz verringert werden. 

Wie lange bleiben die Nadeln bei Akupunktur im Körper?

Klassische Akupunkturnadeln bleiben zirka 20–30 Minuten im Körper. Darüber hinaus gibt es Dauernadeln, die 1–2 Wochen im Einsatz sind, etwa am Ohr. Diese winzigen Nadeln werden sodann mit kleinen Pflastern abgedeckt, damit sie im Alltag nicht stören. 

Was ist der Unterschied zwischen Akupunktur und Akupressur?

Bei beiden medizinischen Lehren handelt es sich um Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin. Während bei der Akupunktur feine Nadeln zur Stimulation der Akupunkturpunkte verwendet werden, drückt oder massiert der Mediziner bei der Akupressur die jeweiligen Punkte

Ist Akupunktur auch ohne Nadeln möglich?

Ja, mittlerweile gibt es auch Alternativen zur klassischen Akupunktur mit Nadeln. So lassen sich die Akupunkturpunkte auch mithilfe eines Lasers oder eines Elektroakupunkturgerätes mit Strom stimulieren. 

Ist Akupunktur schmerzhaft?

Nein, da bei Akupunktur feinste Nadeln zum Einsatz kommen, entsteht in der Regel kein nennenswerter Schmerzreiz. Lediglich der Einstich ist leicht wahrnehmbar, gleich darauf entspannen sich allerdings Körper und Geist.

Hilft Akupunktur bei Rückenschmerzen?

Ja, Akupunktur kann bei bestimmten Formen von Rückenschmerzen eine unterstützende Wirkung haben. Studien zeigen, dass sie insbesondere bei chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich zur Schmerzlinderung beitragen kann. Mögliche Wirkmechanismen sind unter anderem die Beeinflussung der Schmerzverarbeitung im Nervensystem sowie eine Entspannung der Muskulatur.

Bei akuten Rückenschmerzen ist der Nutzen weniger eindeutig belegt. Akupunktur sollte daher als ergänzende Behandlung betrachtet werden und ersetzt nicht die ärztliche Abklärung oder andere bewährte Maßnahmen wie Bewegung und gezielte Physiotherapie.

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